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Die Gesänge der Sarah Maldoror

Ein Kino der Nähe, der kollektiven Verantwortung und des Teilens

Juni und Juli 2022


Sarah Maldoror (1929–2020) ist eine der bedeutendsten Pionierinnen des afrikanischen und afrodiasporischen Kinos und doch dem hiesigen Publikum relativ unbekannt geblieben.

Im südfranzösischen Gers als Tochter eines Vaters aus Guadeloupe und einer französischen Mutter geborenen, legte sie als junge Frau ihren Familiennamen Ducados ab und gab sich, inspiriert von Lautréamonts Chants de Maldoror (Die Gesänge des Maldoror), einen neuen, „eigenen“ Namen. Als junge Frau war sie im Paris der 50er-Jahre mit Toto Bissainthe, Timité Bassori u.a. Mitbegründerin der Schwarzen Theatergruppe Les Griots. Sie ging dann zum Filmstudium an die VGIK in Moskau und engagierte sich zunehmend in Befreiungsbewegungen, insbesondere gegen die portugiesische Kolonialmacht in Angola – ihr Ehemann war der angolanische Politiker und Autor Mário Pinto de Andrade –, Kap Verde und Guinea-Bissau.

Gleich ihre ersten Filme MONANGAMBÉE und SAMBIZANGA wurden international gezeigt – ihr erster Spielfilm DES FUSILS POUR BANTA (Gewehre für Banta) gilt bis heute als verschollen.

Maldorors filmisches Werk, das 40 Kurz- und Langfilme für Kino und TV umfasst, entzieht sich klaren Grenzziehungen und Geographien, es ist transnational, kämpferisch, thematisch und formal vielfältig und gleichzeitig doch von großer Kohärenz. Die afrikanischen Befreiungsbewegungen, die Trikont-Bewegung, die Rolle der Frau, die Geschichte der Sklaverei und des Kolonialismus, Künstler*innen insbesondere des Surrealismus und der Négritude – hier ganz zentral Aimé Césaire und Léon G. Damas – sind zentrale Topoi von Maldorors Filmpraxis. Eine revolutionär-dekoloniale Praxis der Nähe, der kollektiven Verantwortung und des Teilens, die eine Gemeinschaft adressiert, „ein ‚uns‘, das noch formuliert werden muss.“ (Maya Mihindou).


Die Filmkuratorin Annouchka de Andrade arbeitet am Erhalt und der Verbreitung des Werks ihrer Mutter Sarah Maldoror. Sie ist bei allen Vorführungen im Kino des DFF zu Gast.

Sarah-Maldoror-Flyer

Freitag 10. Juni um 18 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


MONANGAMBÉE

DZA 1969, R Sarah Maldoror, s / w, 17’, DCP von 16mm, OmeU

ET LES CHIENS SE TAISAIENT Und die Hunde schwiegen

FRA 1978, R Sarah Maldoror, Farbe, 13’, digital von 16mm, OmeU

LÉON G. DAMAS

FRA 1994, R Sarah Maldoror, s / w, 25’, DCP von 16mm, OmeU

SARAH MALDOROR OU LA NOSTALGIE DE L’UTOPIE Sarah Maldoror oder die Sehnsucht nach der Utopie

FRA / TGO 1999, R Anne-Laure Folly, Farbe, 26’, digital von 16mm, OmeU


Gedreht mit Unterstützung der algerischen Befreiungsbewegung FLN legt Maldorors Debütfilm MONANGAMBÉE die Gewalt des portugiesischen Kolonialsystems gegen die angolanische Bevölkerung mit ungewöhnlicher Sensibilität offen. ET LES CHIENS SE TAISAIENT inszeniert das gleichnamige Theaterstück von Aimé Césaire über die Auflehnung eines Revolutionärs gegen die Sklaverei im Depot des Musée de l’Homme in Paris. Der poetische Dokumentarfilm LÉON G. DAMAS über den bedeutenden Dichter der Négritude, reflektiert die Landschaften und Einflüsse unterlegt von seinen Gedichten und von Jazzrhythmen. Anne-Laure Follys SARAH MALDOROR OU LA NOSTALGIE DE L’UTOPIE ist ein eindrückliches Porträt über Maldoror. Wichtige Weggefährt*innen kommen zu Wort.



Freitag 10. Juni um 20:15 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


SAMBIZANGA

AGO / FRA 1972, R Sarah Maldoror, Farbe, 102’, DCP von 35mm, OmeU


SAMBIZANGA spielt im Jahr 1961: Der Befreiungskampf gewinnt auch in Angola Momentum. Mit Bildern des Alltäglichen erzählt Sarah Maldoror die Suche Marias nach ihrem Ehemann Domingos: Er wurde inhaftiert, weil er sich der Revolution angeschlossen hat. Dabei legt Maldoror mit Feingefühl das Alleinsein einer Frau auf einer beschwerlichen Reise offen, und nimmt Zeit und Mühe in den Blick, die nötig sind, um diesen Weg zurückzulegen. Marias Marsch, ihre Suche, entpuppt sich

als einfühlsame und kraftvolle Metapher für das Leiden des angolanischen Volkes und dessen „Entwicklung eines revolutionären Bewusstseins“ (S. Maldoror).


Zu Gast: Malte Rauch, Filmemacher aus Frankfurt, der um 1980 zu SAMBIZANGA und zur angolanischen Befreiungsbewegung berichtete.


Weitere Vorführungen von SAMBIZANGA in OmdU am:

15. Juni um 20 Uhr, CineMayénce, Mainz

25. Juni ab 19:30 Uhr, Open Air Kino in der Platensiedlung Frankfurt, mit Vorprogramm, Filmbeginn bei Dunkelheit

Filmstill,-„Monangambée“-©-Arsenal---Institut-für-Film-und-Videokunst-e.V.
Filmstill,-„Léon-G.-Damas“-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario
SAMBIZANGA-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario

Samstag 11. Juni um 16:45 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


Vortrag Annouchka de Andrade (ca. 60’)

„Ich habe meine Mutter sehr geliebt, und tue nun mein Bestes ihr Werk zu verbreiten und zu erhalten.“

Annouchka de Andrade setzt sich mit der ‚Assoziation Sarah Maldoror und Mario de Andrade’ gemeinsam mit ihrer Schwester Henda Ducados für den Erhalt und die Verbreitung des Erbes ihrer Eltern ein. Seit über 30 Jahren arbeitet Annouchka de Andrade international zu den Schwerpunkten audiovisuelle Medien, kulturelles Erbe und Produktion. In den letzten Jahren hat sie Sarah Maldoror technisch unterstützt.



Samstag 11. Juni um 18 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


PORTRAIT D’UNE FEMME AFRICAINE Porträt einer afrikanischen Frau

FRA 1985, R Sarah Maldoror, Farbe, 4’, digital von Video, OmeU

UN DESSERT POUR CONSTANCE Constanzes Kochbuch

FRA 1980, R Sarah Maldoror, Farbe, 60’, digital von 16mm, OmeU


Die Komödie UN DESSERT POUR CONSTANCE entlarvt aus der Perspektive von Schwarzen Müllmännern, eines besonders ausgegrenzten Arbeitermilieus, den Rassismus der französischen Gesellschaft.

PORTRAIT D’UNE FEMME AFRICAINE verhandelt in beeindruckender Dichte die schwierige Situation einer in Frankreich arbeitenden senegalesischen Frau mittels ihres unmittelbar eingesprochenen Off-Kommentars.



Samstag 11. Juni um 20.15 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


L’HÔPITAL DE LENINGRAD Das Krankenhaus von Leningrad

FRA 1982, R Sarah Maldoror, Farbe, 59’, DCP von 16mm, OmeU

VLADY – PEINTRE Vlady – Maler

MEX / FRA 1989, R Sarah Maldoror, Farbe, 24’, digital von 16mm, OmeU


L’HÔPITAL DE LENINGRAD erzählt nach einer Kurzgeschichte von Victor Serge, mit Rüdiger Vogler und Roger Blin in den Hauptrollen, vom Umschlagen der Russischen Revolution in stalinistische Verfolgung. Victor Serges’ Sohn, dem mexikanischen Maler Wladimir Kibaltschitsch, gilt Maldorors Porträt VLADY – PEINTRE.

Filmstill,-„Un-Dessert-pour-Constance“-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario
Filmstill,-„-Vlady-Peintre-“-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario

Sonntag 12. Juni um 18 Uhr

Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum


TOTO BISSAINTHE

FRA 1984, R Sarah Maldoror, Farbe, 5‘, digital von 16mm, OmeU

AIMÉ CÉSAIRE – LE MASQUE DES MOTS Die Maske der Worte

MTQ 1987, R Sarah Maldoror, Farbe, 52’, digital von 16mm, OmeU

WIFREDO LAM

FRA 1980, R Sarah Maldoror, Farbe, 4’, digital von 16mm, OmeU

REGARDS DE MÉMOIRE (Route d’esclave) Blicke aus der Erinnerung (Sklavenroute)

MTQ / HTI 1995, R Sarah Maldoror, Farbe, 27’, digital von Video, OmeU


Das Kurzporträt ist für Sarah Maldoror eine wichtige filmische Form. Davon zeugt TOTO BISSAINTHE über die gleichnamige haitianische Sängerin und enge Freundin Maldorors, wie auch WIFREDO LAM über den afro-kubanischen Künstler.

Dem Poeten, Politiker und Mitbegründer der Négritude Aimé Césaire sind mehrere Filme gewidmet. Ausgangspunkt von AIMÉ CÉSAIRE – LE MASQUE DES MOTS (1987) ist eine eindrückliche Konferenz ihm zu Ehren.

Mittels zahlreicher Gespräche mit Césaire, mit dem Poeten Édouard Glissant und der Politikerin Madeleine de Grandmaison begibt sich REGARDS DE MÉMOIRE auf die transatlantischen Spuren von Sklaverei, Kolonialismus und haitianischer Revolution.

Filmstill,-Toto-Bissainthe,-„Toto-Bissainthe“-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario

Mittwoch, 15. Juni um 20 Uhr

CineMayénce, Mainz


SAMBIZANGA

AGO / FRA 1972, R Sarah Maldoror, Farbe, 102’, DCP von 35mm, OmdU

In Kooperation mit BrasilNilê e.V.



Samstag, 25. Juni um 19:30 Uhr


Open Air Kino in der Platensiedlung Frankfurt, mit Vorprogramm, Filmbeginn bei Dunkelheit


SAMBIZANGA

AGO / FRA 1972, R Sarah Maldoror, Farbe, 102’, DCP von 35mm, OmdU


In Kooperation mit saloonY e.V., KONE – Netzwerk zur Förderung kommunikativen Handelns e.V., Jamii e.V., Projekt Moses e.V. – Ubuntu Haus und Kinder- und Jugendzirkus Zarakali e.V.

Logo-saloonY-–-Kulturtrafo_web

Im Juli, tba

ada_hinterhof_kino


ELLES Sie

DZA 1966, R Ahmed Lallem, Regie-Assistenz Sarah Maldoror, s / w, 22’, digital von 35mm, Arabisch / Frz. OmeU

PORTRAIT DE ASSIA DJEBAR Porträt von Assia Djebar

FRA 1987, R Sarah Maldoror, Farbe, 7’, digital von 16mm, OmeU

PRÉFACE À DES FUSILS POUR BANTA Vorwort zu Gewehre für Banta

GUF 2011, R Matthieu Klebeye Abonnenc, Farbe, 28’, digital, OmeU

KATHLEEN CLEAVER (Ausschnitt aus Kathleen und Eldridge Cleaver in Algier)

BRD / DZA 1970, R Claudia v. Alemann, s / w 13’ digital von 16mm, engl. OF


Mit ELLES drehten Ahmed Lallem und Sarah Maldoror als Regie-Assistentin in einer Mädchenschule in Algier einen Dokumentarfilm kurz nach der Unabhängigkeit.

Im PORTRAIT DE ASSIA DJEBAR interviewt Maldoror die gleichnamige Schriftstellerin und Filmemacherin zu ihrem Buch Die Schattenkönigin, sowie zur Rolle der Frauen in der arabischen Welt.

PRÉFACE À DES FUSILS POUR BANTA versammelt Gespräche und Material zu dem verschollenen Film von Sarah Maldoror.

Die Black-Panther-Aktivistin Kathleen Cleaver adressiert 1970 aus dem algerischen Exil ein internationales und westdeutsches Publikum.



Monitor im Foyer des DFF


MOI AUSSI, J’AI REVÉ … Auch ich hab’ geträumt …

FRA 2013 / 22, R Olivier Hadouchi, Farbe, 41’ OmdU, digital


Premiere! In diesem sympathisierenden Gespräch, das der Filmwissenschaftler und Forscher zum trikontinentalen Kino, Olivier Hadouchi, 2013 mit Sarah Maldoror führte, entwickeln die beiden einen weiten humorvollen Bogen: von Maldorors Studien-Zeit in Moskau über die Zeit in Algerien bis zu dem Film, den Chris Marker über sie drehen wollte.

Filmstill,-„Portrait-de-Assia-Djebar“-©-Association-Friends-of-Sarah-&-Mario
Filmstill,-„Préface-à-des-Fusils-pour-Banta“-©-Matthieu-Klebeye-Abonnenc

Ein Programm von Gaby Babić, Madeleine Bernstorff, Natascha Gikas,

Feven Haile, Gary Vanisian.


Eine Veranstaltung von Kinothek Asta Nielsen e.V. und Filmkollektiv Frankfurt e.V. in Kooperation mit dem Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Kino CinéMayence, Mainz, BrasilNilê e.V., saloonY e.V., KONE – Netzwerk zur Förderung kommunikativen Handelns e.V., Jamii e.V., Projekt Moses e.V. – Ubuntu Haus, Kinderzirkus Zarakali e.V. und ada_kantine

Spielorte


Kino des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

www.dff.film


Kino CinéMayence im Institut Français, Mainz

www.cinemayence.de


Open Air Kino in der Platensiedlung

Auf dem Grünzug Platenstraße 77–79, 60431 Frankfurt am Main


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www.ada-kantine.org

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