Logo rot frei.png

PRESSEMITTEILUNG 4.6.2020


Institutionelle Förderung der Kinothek Asta Nielsen e.V. durch das Land Hessen

Programmvorschau/-planung 2020

Stellungnahme zu Online-Formaten



Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Kolleginnen und Kollegen,


das Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat die Institutionelle Förderung der Frankfurter Kinothek Asta Nielsen e.V. im Haushaltsjahr 2020 bewilligt. „Es freut uns sehr, dass uns das Bewilligungsschreiben von Ministerin Angela Dorn gerade jetzt erreicht. Mit der Förderung seitens des Frauenreferats der Stadt Frankfurt am Main, die bereits seit vielen Jahren erfolgt, ist die Arbeit und die Weiterentwicklung der Kinothek nun finanziell gesichert. In unsere Freude mischt sich die Sorge um und die Solidarität mit den Menschen, die angesichts der Corona-Pandemie ihre existentiellen Grundlagen verlieren, Solidarität insbesondere mit unseren Freundinnen und Freunden, den Kinomacher*innen. Gerade auch Künstler*innen und Kulturarbeiter*innen werden noch stärker prekarisiert, als sie es ohnehin schon waren.“, so Gaby Babić, Geschäftsführerin und Künstlerische Leiterin der Kinothek.


In der öffentlichen Wahrnehmung und Förderung sind Künstlerinnen noch immer oft unterrepräsentiert. Auch das künstlerische Erbe von Frauen muss besser bewahrt, erschlossen und vermittelt werden. Hier leisten Einrichtungen wie die Kinothek Asta Nielsen, aber auch das Archiv Frau und Musik oder das Archiv der Deutschen Frauenbewegung Vorbildliches. Für sie und für Projekte, die die Situation von Künstlerinnen insgesamt verbessern, haben wir deshalb im Haushalt 2020 insgesamt 250.000 Euro vorgesehen", erläutert Kunstministerin Angela Dorn.


Die Kinothek Asta Nielsen wurde im August 1999 gegründet, als sich zwölf Filmliebhaber*innen und Kinogänger*innen – alle von ihnen auch professionell im Bereich Film tätig – zusammentaten, um sich unter diesem Dach der Filmarbeit von Frauen in Geschichte und Gegenwart zu widmen. Initiatorinnen waren Karola Gramann und Heide Schlüpmann. Gramann leitete die Kinothek bis 2018, Schlüpmann ist seit der Vereinsgründung im Vorstand. Beide sind bis heute aktiv in der Programmarbeit der Kinothek. Von Anfang der Kinothek an geht es darum, die Film- und Kinoarbeit der Neueren Frauenbewegung wieder aufzunehmen, zu aktualisieren und sie in den Kontext des 21. Jahrhunderts zu stellen. Das betrifft sowohl Dokumentation und Archivierung, materiale Sicherung von Geschichte und deren Sichtbarmachung in Filmprogrammen und Publikationen, als auch die diskursive Auseinandersetzung mit der aktuellen gesellschaftlichen Situation. In den nunmehr 20 Jahren ihres Bestehens hat die Kinothek zahlreiche große Retrospektiven, themenorientierte Festivals, Filmreihen, Einzelveranstaltungen und Publikationen realisiert, einen großen Kreis an Kooperationspartner*innen gewonnen und für ihre Arbeit Anerkennung hierzulande und international erfahren. 2017 erhielt die Kinothek mit dem Binding-Kulturpreis einen der renommiertesten Kulturpreise der Republik. 2018 bündelte die Kinothek ihre Aktivitäten in einem neuen Format, dem biennal angelegtem Festival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage.


Für das Frühjahr und den Sommer 2020 war eine Reihe an mehrteiligen Filmprogrammen und Einzelveranstaltungen geplant. Corona-bedingt kommt es hier zu Änderungen:


Zur Video-on-Demand-Filmreihe „young&queer“ der jugend-kultur-kirche sankt peter trägt die Kinothek Jennifer Reeders KNIVES & SKIN (USA 2018) bei, in den Worten der Regisseurin ein „Midwestern gothic teen noir“. „young&queer“ wird anlässlich des Global Pride, einem weltweiten online-Aktionstag, der auf Grund der zahlreichen abgesagten Christopher Street Day-Veranstaltungen ins Leben gerufen wurde, vom 26. bis 28. Juni stattfinden. Ein Video-Gespräch mit Jennifer Reeder zum Film wird ebenfalls online abrufbar sein.

In der letzten hessischen Sommerferienwoche startet die Kinothek dann gemeinsam mit dem Frankfurter Verein saloonY die Musik- und Filmreihe „LOVE ME* or LEAVE ME*“, die Open-Air-Veranstaltungen in der Platensiedlung und zahlreiche Workshopangebote für Mädchen und junge Frauen umfassen wird.

Die Filmreihe „Comizi tra donne. Filmmacherinnen des italienischen Südens“, die mehr als 100 Jahre weiblicher Filmproduktion im italienischen Süden nachzeichnen wird und an die Elvira Notari-Retrospektive der Kinothek im Jahr 2017 ansetzt, wird aller Voraussicht nach Ende November starten.

Eine Retrospektive der französischen Regisseurin Sarah Maldoror (1929–2020), eine zentrale Vertreterin des internationalistischen politischen Kinos, war ursprünglich für das Ende des Jahres geplant, wird mit jetzigem Planungsstand aber in die erste Jahreshälfte 2021 verschoben. Maldoror ist am 13. April an Komplikationen nach einer Covid-19-Erkrankung im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.

Besonderes Gewicht hat für die Kinothek die Filmreihe „Are You Listening! Filme für Klimagerechtigkeit“, sie ist im Kontext zu Frankfurt for Future – Die Konferenz für Klimagerechtigkeit geplant und wird wie die Konferenz selber nun im Herbst stattfinden. Veranstaltet wird die Reihe gemeinsam mit dem Offenen Haus der Kulturen e.V. und Pupille – Kino in der Uni e.V.


Die Umwandlung unserer Arbeit in Online-Formate macht für uns derzeit – mit wenigen Ausnahmen – keinen Sinn. Unsere Filmarbeit besteht nicht aus reinen Inhalten, die sich beliebig ins Digitale verschieben lassen. Uns mangelt es auch definitiv an einer breiteren Debatte über die sozialen und ökologischen Kosten und Folgen der Digitalisierung. Wir stehen für eine Film- und Kinokultur, die sich als Aufführungspraxis und soziale Kulturtechnik versteht, die eingebettet ist in eine gemeinsame Wahrnehmung als Publikum in einem realen Raum und in diesem Sinne öffentlich stattfindet.“, so die Stellungnahme von Babić, Gramann und Schlüpmann.


Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn erklärt: „Für uns gilt auch und gerade in der Krise: Kunst und Kultur sind kein Luxus oder Sahnehäubchen in guten Zeiten. Gerade das, was den großen Wert von Kunst und Kultur definiert, macht sie in der Pandemie besonders anfällig: der direkte Austausch zwischen Menschen. Deshalb haben wir ein umfassendes Unterstützungspaket geschnürt, ein deutliches Bekenntnis zum Wert von Kunst und Kultur gerade in schwierigen Zeiten: Wir helfen Kunstschaffenden, die Zeit der Einschränkungen zu überstehen, und nehmen die Phase in den Blick, wenn Hessens Kultur schrittweise neu eröffnet. So können freie Künstlerinnen und Künstler Arbeitsstipendien von je 2.000 Euro erhalten, und wir unterstützen mit einem Programm für Kultureinrichtungen, Spielstätten sowie Künstlerinnen und Künstler den Neustart mit innovativen Ansätzen."